Zeitpunkt der Welpenabgabe

Fragen, Tips und vieles mehr zur Pudelzucht.
Koller
Mini-Nase
Beiträge: 473
Registriert: Mo Jan 18, 2010 5:53 pm
Wohnort: Schweiz

Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Koller » Do Sep 15, 2016 2:06 pm

So, hier nun wie bereits "angedroht", möchte ich gerne Eure Meinung zum richtigen Abgabezeitpunkt erfahren. Diese Gedanken sind mir gekommen, nachdem ich das Buch von Udo Ganslosser "Ein guter Start ins Hundeleben" gründlich gelesen habe.

Gemäss Ganslosser sollte die Prägung noch vom Züchter und dem sozialen Umfeld des Welpen vorgenommen werden. Es wurde ja bislang immer gesagt, dass sich der Welpe unbedingt schon in der 8/9 Woche an die neuen Besitzer und die dortige Umgebung gewöhnen muss. Wobei hier die Prozesse "Prägung" und "Bindungsaufbau" verwechselt werden. Der Bindungsaufbau zum späteren Familienmenschen findet dann idealerweise in der 14. Woche statt. Miklosi stellte ausdrücklich fest (2007), dass die Sozialisation im Zeitpunkt vor der 14. Woche sowieso generalisiert und nicht auf einen bestimmten Menschen stattfände. Vor der 14. Woche ist dieses spezielle, auf EIN Individuum gerichtetes Bindungsbestreben anscheinend ohnehin nicht vorhanden.

Es sollte daher wichtiger sein, die Sozialisierung der Welpen in ihrer primären Umgebung, also in dder Familie und im Umfeld des Züchters zu optimieren und stattdessen das von der Entwicklungsbiologie gefundene Zeitfenster bis zum Ende der zehnten bis zwölften Woche dort verbringen zu lassen (Ganslosser).

Was habt Ihr diesbezüglich für Erfahrungen? Kann mir vorstellen, dass es für Züchter dann echt von Tag zu Tag schwieriger wird, die Rasselbande bei Laune zu behalten. Da braucht es dann wirklich beim Züchter einige Hunde, die diese "Aufgabe" mit der Erziehung und Beschäftigung der Welpen übernehmen. Eine Mutterhündin alleine wäre ja dann auch komplett überfordert.

Vielen Dank für Eure Meinungen zu diesem Thema. Bin echt gespannt.
Liebe Grüsse aus der Schweiz
Corinne und Familie mit
INUK of Flying Curls (Pudel), geb. 27.04.2011
und Objibwa's Hakas-ROOKIE PD (Toller), 7.9.99 - 8.6.11
für immer und ewig ganz tief in unseren Herzen

Benutzeravatar
JuRo
Zwerg-Nase
Beiträge: 545
Registriert: Sa Jan 25, 2014 10:54 pm

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von JuRo » Do Sep 15, 2016 3:21 pm

Huhu,

Ich bin nicht so ganz in dem Thema drin, aber mein Gedanke ist, wenn man schon bei Kaninchen dazu übergeht, sie bis 16 Wochen bei derFamilie zu lassen, warum sollte dann ein Hund schon mit 8 Wochen von der Familie getrennt werden?
Wie man anhand der vielen Tierschutztiere sehen kann, muss der Hund kein sehr junger Welpe mehr sein, um eine Beziehung zu seiner neuen Familie aufzubauen.
Aber sicherlich ist es für einen Züchter mehr arbeit, da er im Endeffekt die "Arbeit" übernehmen muss, wenn die Welpen erst später ausziehen, die sonst schon die Abnehmer gemacht haben.

Das ist jetzt einfach meine Theorie, ob es wirklich so ist, weiss ich nicht.
Viele Grüsse von Julia, Knöpfchen und Bobby

Rohana
Supernase
Beiträge: 7007
Registriert: So Jul 25, 2010 11:08 pm
Wohnort: Pfalz - GP Kaba + English Setter-Mix Mika

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Rohana » Do Sep 15, 2016 3:40 pm

Das Thema find ich auch sehr interessant. Die von Dir genannten Quellen hab ich bisher nicht gelesen, aber davon schon aus zweiter Hand gehört.
Ich persönlich fand die Abgabe direkt mit 8 Wochen und vor allem direkt nach der Impfung sehr ungünstig. Da werden die Welpen geimpft und tags drauf zum neuen Besitzer gegeben. Das ist, egal wie sehr der Besitzer sich bemüht, immer mit Streß für den Hund verbunden. Wie soll da das Immunsystem zeitgleich einen brauchbaren Impfschutz aufbauen. Ich bin überzeugt, dass es schon aus dem Grund besser wäre, die Hund noch min. eine Woche länger beim Züchter zu lassen.

Als unsere Hündin vor inzwischen gut 20 Jahren Welpen hatte war von Gansloßers Thesen natürlich noch keine Rede. Aber wir haben die Welpen erst mit ca. 10 Wochen abgegeben. Das fand ich damals schon besser für die Entwicklung. Zum einen wegen der Impfung. Zum anderen aber auch, weil fast alle Welpen in bis dahin hundelose Haushalte zogen. So hatten sie einfach mal noch zwei Wochen länger erwachsene Hunde um sich herum für eine gute Grundsozialisation.

Es gab dabei aber Ausnahmen:
Zum einen meine Joker - sie blieb schlicht bei uns wohnen :-).

Dann die Hündin, die zum Vater der Welpen zog. Sie ging schon früher. Aber ich war ab der 6. Lebenswoche immer wieder mit Hündin und allen Welpen dorthin gefahren. Unser Garten war nicht so groß und dort stand ein riesiges Grundstück zur Verfügung (und ich wusste, dass die beiden dort lebenden Hunde gesund, ... waren). Daher kannte die kleine Hündin sich dort schon aus, fühlte sich daheim. Und es gab eben auch noch die zwei erwachsenen Hunde im Haushalt.

Zum anderen eine Hündin, die erst nach einem schon länger geplanten Flugurlaub der Familie zu ihren neuen Leuten zog. Sie sollte nicht gleich nach der ersten Eingewöhnung wieder hin-und hergereicht werden. Und mitfliegen war auch keine Option. So blieb sie bis sie ca. 4 Monate alt war.
Das ermöglichte mir, die weitere Entwicklung zu beobachten. Wir hatten ja nun zwei Welpen, die zunächst weiter bei uns blieben. Bis ca. 10 Woche lief es einfach ähnlich weiter wie bisher. Die Welpen beschäftigten sich mit den anderen Hunden, miteinander, mit uns,.... Sie lernten dazu, entwickelten sich körperlich weiter,...
Aber dann kam der Zeitpunkt, an dem wir das deutliche Gefühl hatten, dass beide Welpen eine menschliche Bezugsperson brauchten. Mein Mann und ich haben es dann so gemacht, dass ich mich mit Joker beschäftigte und er kümmerte sich um die andere Hündin. Klar, wenn nur einer von uns da war wurd der jeweils andere Hund nicht links liegengelassen. Aber es war für die Hunde schon deutlich wer zu wem gehört. Und die Hunde schlossen sich zu diesem Zeitpunkt auch sofort an ihre Bezugsperson an.
Von daher denke ich, der passende Abgabezeitpunkt ist irgendwann zwischen Anfang 11. bis Ende 13. Woche. Das würd ich immer von den individuellen Umständen abhängig machen: gibt es andere Hunde im neuen Haushalt? Wieviel Erfahrung haben die Leute? etc. Und dann ist natürlich auch wichtig, was der Züchter an Zeit und Arbeit investieren kann und will. Wenn die Hunde in der zusätzlichen Zeit beim Züchter nur in einem Gehege hocken ohne viel Abwechslung, ohne viele Anregungen, Menschenkontakt,.... dann würd ich sagen 'lieber früher als später abholen'.
Liebe Grüße von
Christiane, Kaba und Mika

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bild~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

steinmarder
Kleine-Nase
Beiträge: 1038
Registriert: Mi Jan 06, 2016 11:36 am
Wohnort: Ruhgebiet, am Rande des schönen Bergischen Landes

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von steinmarder » Do Sep 15, 2016 4:13 pm

Ich habe Alfred mit 12 Wochen zu mir geholt, aus pragmatischen Gründen, aber auch, weil mir alles andere zu früh erschien. Tierkinder lernen so viel von Ihren Eltern und den anderen vierbeinigen Mitbewohnern, warum also sollte ich ihm diese Erfahrungen vorenthalten.

Bei Katzen ist man schon lange der Meinung, dass sie nicht vor 12 Wochen von der Mutter getrennt werden sollten, weil es gut für ihre Sozialisierung ist.

Ich finde das absolut logisch und glaube - hoffe :wink: -, dass der längere Aufenthalt bei der Züchterin zu Alfreds guter Verträglichkeit beigetragen haben.
... das ist kein Hund. Das ist ein Pudel!!!

Koller
Mini-Nase
Beiträge: 473
Registriert: Mo Jan 18, 2010 5:53 pm
Wohnort: Schweiz

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Koller » Do Sep 15, 2016 4:21 pm

JuRo hat geschrieben:Huhu,

Ich bin nicht so ganz in dem Thema drin, aber mein Gedanke ist, wenn man schon bei Kaninchen dazu übergeht, sie bis 16 Wochen bei derFamilie zu lassen, warum sollte dann ein Hund schon mit 8 Wochen von der Familie getrennt werden?
Wie man anhand der vielen Tierschutztiere sehen kann, muss der Hund kein sehr junger Welpe mehr sein, um eine Beziehung zu seiner neuen Familie aufzubauen.
Aber sicherlich ist es für einen Züchter mehr arbeit, da er im Endeffekt die "Arbeit" übernehmen muss, wenn die Welpen erst später ausziehen, die sonst schon die Abnehmer gemacht haben.

Das ist jetzt einfach meine Theorie, ob es wirklich so ist, weiss ich nicht.
Vielen Dank für Deine Gedanken zu diesem Thema.
Liebe Grüsse aus der Schweiz
Corinne und Familie mit
INUK of Flying Curls (Pudel), geb. 27.04.2011
und Objibwa's Hakas-ROOKIE PD (Toller), 7.9.99 - 8.6.11
für immer und ewig ganz tief in unseren Herzen

Koller
Mini-Nase
Beiträge: 473
Registriert: Mo Jan 18, 2010 5:53 pm
Wohnort: Schweiz

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Koller » Do Sep 15, 2016 4:26 pm

steinmarder hat geschrieben:Ich habe Alfred mit 12 Wochen zu mir geholt, aus pragmatischen Gründen, aber auch, weil mir alles andere zu früh erschien. Tierkinder lernen so viel von Ihren Eltern und den anderen vierbeinigen Mitbewohnern, warum also sollte ich ihm diese Erfahrungen vorenthalten.

Bei Katzen ist man schon lange der Meinung, dass sie nicht vor 12 Wochen von der Mutter getrennt werden sollten, weil es gut für ihre Sozialisierung ist.

Ich finde das absolut logisch und glaube - hoffe :wink: -, dass der längere Aufenthalt bei der Züchterin zu Alfreds guter Verträglichkeit beigetragen haben.
Auch Dir vielen Dank für Deine Meinung zu diesem Thema. Bei uns in der Schweiz bei der SKG (Schweizerische Kynologische Gesellschaft) gab es jetzt leider, leider gerade eine Änderung im Zuchtreglement, dass die Welpen neu mit 8 Wochen, anstatt wie bisher mit 10 Wochen abgegeben werden dürfen. Ich finde es sehr schade und falsch, wenn man etwas entscheidet, was eigentlich den neuesten wissenschaftlichen Studien widerspricht. Nehme mal an, das ist von einigen Züchtern ausgegangen, die man natürlich nicht verlieren will.

Das wegen den Katzen habe ich gar nicht gewusst. Umso logischer, dass dann auch Hunde länger von der Erziehung usw. Der Mutter, Geschwister und Onkeln und Tanten profitieren sollte.
Liebe Grüsse aus der Schweiz
Corinne und Familie mit
INUK of Flying Curls (Pudel), geb. 27.04.2011
und Objibwa's Hakas-ROOKIE PD (Toller), 7.9.99 - 8.6.11
für immer und ewig ganz tief in unseren Herzen

Benutzeravatar
Hauptstadtpudel
Mega-Super-Nase
Beiträge: 10827
Registriert: So Jun 19, 2011 5:23 pm
Wohnort: Berlin, Großpudel Bolle 06/12
Kontaktdaten:

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Hauptstadtpudel » Do Sep 15, 2016 4:30 pm

Hmm, ich fand 8/9 Wochen schon sehr früh.
Ich habe irgendwie noch die 16. ersten Lebenswochen als entscheidend im Kopf - da bliebem dem Hundehalter gerade noch 2 Wochen (bei Abgabe mit 14. Wochen). Finde ich dann wiederum ganz schön knapp.
Inzwischen bin ich der Meinung, wenn das zukünftige Umfeld sich stark vom Züchterhaushalt unterscheidet (also bei uns von absolut ländlich nach Berlin), würde ich den Welpen eher früher holen (also 8./9./10. Woche). Die erste Woche war ich mit dem Welpen nicht auf der Straße, sondern seine neue Welt bestand erstmal aus Wohnung, Balkon und Hof. Dann ging es peut à peut in die Welt hinaus (Straße am Sonntag, Straße werktags, Bus, dann U-Bahn usw), das wäre mit nem 14 Wochen alten Welpen zu knapp geworden.
Natürlich kann man den Hund auch später noch an diese Reize gewöhnen, aber das Zeitfenster bis zur 16. Woche soll entscheidend sein.

Ich denke, es könnte auch rasseabhängig sein, ich glaube Anja (Resi) schrieb mal, dass es bei einem Wurf belgischer Schäferhunde (wahrscheinlich übertragbar auf andere Arbeitshunderassen) nicht ratsam sei, diese bis über die zehnte(?) Woche hinaus im Wurf zu lassen.

Und naheliegend auch deine Frage, welcher Züchter das leisten kann und will (von den anderen Hunden, die auch dazu beitragen sollten mal ganz abgesehen)?

Und dann erinnere ich mich schwach an eine sensible Phase, die in der 10. Woche beginnt, so dass dieser Zeitpunkt auch nicht optimal für einen Umzug wäre.
Zuletzt geändert von Hauptstadtpudel am Do Sep 15, 2016 4:37 pm, insgesamt 2-mal geändert.
Liebe Grüße, Katja mit Bolle
Bild

Koller
Mini-Nase
Beiträge: 473
Registriert: Mo Jan 18, 2010 5:53 pm
Wohnort: Schweiz

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Koller » Do Sep 15, 2016 4:31 pm

Rohana hat geschrieben:Das Thema find ich auch sehr interessant. Die von Dir genannten Quellen hab ich bisher nicht gelesen, aber davon schon aus zweiter Hand gehört.
Ich persönlich fand die Abgabe direkt mit 8 Wochen und vor allem direkt nach der Impfung sehr ungünstig. Da werden die Welpen geimpft und tags drauf zum neuen Besitzer gegeben. Das ist, egal wie sehr der Besitzer sich bemüht, immer mit Streß für den Hund verbunden. Wie soll da das Immunsystem zeitgleich einen brauchbaren Impfschutz aufbauen. Ich bin überzeugt, dass es schon aus dem Grund besser wäre, die Hund noch min. eine Woche länger beim Züchter zu lassen.

Als unsere Hündin vor inzwischen gut 20 Jahren Welpen hatte war von Gansloßers Thesen natürlich noch keine Rede. Aber wir haben die Welpen erst mit ca. 10 Wochen abgegeben. Das fand ich damals schon besser für die Entwicklung. Zum einen wegen der Impfung. Zum anderen aber auch, weil fast alle Welpen in bis dahin hundelose Haushalte zogen. So hatten sie einfach mal noch zwei Wochen länger erwachsene Hunde um sich herum für eine gute Grundsozialisation.

Es gab dabei aber Ausnahmen:
Zum einen meine Joker - sie blieb schlicht bei uns wohnen :-).

Dann die Hündin, die zum Vater der Welpen zog. Sie ging schon früher. Aber ich war ab der 6. Lebenswoche immer wieder mit Hündin und allen Welpen dorthin gefahren. Unser Garten war nicht so groß und dort stand ein riesiges Grundstück zur Verfügung (und ich wusste, dass die beiden dort lebenden Hunde gesund, ... waren). Daher kannte die kleine Hündin sich dort schon aus, fühlte sich daheim. Und es gab eben auch noch die zwei erwachsenen Hunde im Haushalt.

Zum anderen eine Hündin, die erst nach einem schon länger geplanten Flugurlaub der Familie zu ihren neuen Leuten zog. Sie sollte nicht gleich nach der ersten Eingewöhnung wieder hin-und hergereicht werden. Und mitfliegen war auch keine Option. So blieb sie bis sie ca. 4 Monate alt war.
Das ermöglichte mir, die weitere Entwicklung zu beobachten. Wir hatten ja nun zwei Welpen, die zunächst weiter bei uns blieben. Bis ca. 10 Woche lief es einfach ähnlich weiter wie bisher. Die Welpen beschäftigten sich mit den anderen Hunden, miteinander, mit uns,.... Sie lernten dazu, entwickelten sich körperlich weiter,...
Aber dann kam der Zeitpunkt, an dem wir das deutliche Gefühl hatten, dass beide Welpen eine menschliche Bezugsperson brauchten. Mein Mann und ich haben es dann so gemacht, dass ich mich mit Joker beschäftigte und er kümmerte sich um die andere Hündin. Klar, wenn nur einer von uns da war wurd der jeweils andere Hund nicht links liegengelassen. Aber es war für die Hunde schon deutlich wer zu wem gehört. Und die Hunde schlossen sich zu diesem Zeitpunkt auch sofort an ihre Bezugsperson an.
Von daher denke ich, der passende Abgabezeitpunkt ist irgendwann zwischen Anfang 11. bis Ende 13. Woche. Das würd ich immer von den individuellen Umständen abhängig machen: gibt es andere Hunde im neuen Haushalt? Wieviel Erfahrung haben die Leute? etc. Und dann ist natürlich auch wichtig, was der Züchter an Zeit und Arbeit investieren kann und will. Wenn die Hunde in der zusätzlichen Zeit beim Züchter nur in einem Gehege hocken ohne viel Abwechslung, ohne viele Anregungen, Menschenkontakt,.... dann würd ich sagen 'lieber früher als später abholen'.
Vielen lieben Dank Christiane für Deine ausführliche Stellungnahme. Da hast Du ja wirklich viel Erfahrung, was die Abgabe der Welpen betrifft. Du hast natürlich recht, dass es auch auf das neue Daheim des Welpen draufan kommt. Wobei ich trotzdem glaube, dass die Mutter und die Geschwister, die sich ja genetisch am nächsten stehen, durch andere Artgenossen in den ersten paar Wochen wohl nicht ersetzt werden können.

Unsere Trainerin ist auch der Meinung, dass wenn man den Welpen vor der 12.Woche holt, man wenigstens die Mutter und den Züchter noch einige Male besuchen sollte, für die Sicherheit des Welpen.
Liebe Grüsse aus der Schweiz
Corinne und Familie mit
INUK of Flying Curls (Pudel), geb. 27.04.2011
und Objibwa's Hakas-ROOKIE PD (Toller), 7.9.99 - 8.6.11
für immer und ewig ganz tief in unseren Herzen

Rohana
Supernase
Beiträge: 7007
Registriert: So Jul 25, 2010 11:08 pm
Wohnort: Pfalz - GP Kaba + English Setter-Mix Mika

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Rohana » Do Sep 15, 2016 4:39 pm

Na ja, unsere Profizüchter hier im Forum lachen sich tot, wenn ich mit dem einen Wurf von 'viel Erfahrung' spreche. :oops: Auch wenn ich durch meine Arbeit bei der Tierärztin, durch versch. Jobs bei Züchtern hier im Umkreis,... daneben einiges beobachten/erleben konnte und mir dazu meine Gedanken gemacht hab.

Wie gesagt: ich würd die Welpen auch eher später als früher abgeben. Und das Mädchen, das von unserm Wurf früher ging, hat ja genau wie Du es rätst, auch nach ihrem Umzug regelmäßig Besuch von uns bekommen (nicht nur einige Wochen, sondern ihr Leben lang :-)).
Liebe Grüße von
Christiane, Kaba und Mika

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bild~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

pauline
Kleine-Nase
Beiträge: 1102
Registriert: Mi Mär 13, 2013 6:31 pm

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von pauline » Do Sep 15, 2016 5:07 pm

Tim habe ich mit 9 Wochen bekommen. Ich fand das zu früh. Der war noch so ein richtiges Baby. Eine Woche länger bei der Züchterin hätte ihm sicher gut getan.

Gino habe ich mit 11,5 Wochen bekommen. Das war super. Er war zu diesem Zeitpunkt stubenrein (3x hat er uns an den beiden ersten Tagen reingemacht und das wars auch), ging gut an der Leine, konnte "aus" (also wirklich können, der hat mir alles vor die Füße gespuckt egal was), war bei der Züchterin noch an eine Box gewöhnt worden, weil er bei uns die ersten Tage nachts in einer solchen schlafen sollte. Die Züchterin hat da tolle Vorarbeit geleistet. Ginos Züchterin gibt aber auch generell die Welpen nicht vor 10 Wochen ab.
LG Petra

Bild

Benutzeravatar
Resi
Supernase
Beiträge: 3568
Registriert: Fr Jul 17, 2009 2:13 pm
Wohnort: Magdeburg
Kontaktdaten:

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Resi » Do Sep 15, 2016 6:06 pm

optimal finde ich zwischen der 10 und 12. Woche. Gerade so zwischen der 7. bis 12. Woche haben doch die übrigen Rudelmitglieder im Züchterhaushalt schon großen Einfluss auf die Erziehung der Welpen. Richtig geil finde ich wenn da noch ein souveräner Rüde mit bei ist. Aber da geh ich natürlich davon aus dass die Welpen auch Kontakt zu den anderen Hunden haben. Manchmal ist das ja leider nicht der Fall und da geht meiner Meinung nach sehr viel Potenzial verloren. Sich anderen gegenüber gesittet zu benehmen können sie nirgendwo besser erlernen. Da reicht die Mama einfach nicht aus.

Mit 8 wochen würde ich nur einen Welpen nehmen wenn ich einen tollen Ersthund habe. So ein Winzbaby ganz alleine ohne Hundeerzieher finde ich persönlich einfach nicht gut. Kein anderer als ein Hund kann Hundesprache lehren und der tägliche Kontakt und das permanente Zusammensein geben eben Kommunikationskompetenz und auch sehr viel Sicherheit die sie brauchen um lernen zu können. Ständig neue und wechselnde Kontakte, wild zusammengewürfelte Welpenspielstunden als einzigen Hundekontakt in der Welpenzeit empfinde ich eher als Kontraproduktiv. Welpen brauchen Konstanten im Leben und nicht ständigen emotionalen Stress.
Pudelverrücktsein ist schön- es kann eben nur nicht jeder...

maiki
Zwerg-Nase
Beiträge: 843
Registriert: Fr Okt 23, 2009 9:22 pm
Wohnort: Bad Zwischenahn

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von maiki » Do Sep 15, 2016 7:38 pm

Wir haben Anton ja erst mit 14 Wochen bekommen. Das lag einfach daran, weil wir eigentlich keinen Hund mehr wollten und Anton wollte wohl auch keiner haben.
Ich glaube aber das es ihm sehr gut getan hat in dem Rudel. Es waren da 6 erwachsene Hüdinin und eine ganze Zeit lang auch ein sehr souveräner Rüde. Der hat ganz viel bei der Erziehung geholfen. Die Hundesprache verstand Anton perfekt. Das konnten wir dann in der Hundeschule gut beobachten.
Ich denke aber er hätte mehr Umweltreize kennen lernen dürfen. Vieles kannte er nicht, erst recht keine anderen Hunderassen. Aber das haben wir Stück für Stück ganz in Ruhe geübt. Heute mit 10 Monaten sind alle anderen Hunde seine Freunde. Und wenn nicht, versteht Anton das sehr gut und hält Abstand.
Stubenrein war er ja lange nicht aber dafür wußte er was Beißhemmung ist.
Ich persönlich würde keinen Hund vor der 11/12 Woche holen.
Pudelige Grüße von Maike mit Anton und Fiete

Rumo
Mini-Nase
Beiträge: 331
Registriert: Mi Aug 26, 2015 7:03 am

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Rumo » Do Sep 15, 2016 9:16 pm

Wir haben unser Pudelchen mit Ende 10. Woche abgeholt. Das fand ich eine gute Zeit.

Ich fühlte mich vorher nicht fit, aber nach der Abholung stellte sich heraus, ich hab Pfeiffersches Drüsenfieber. Noch über zwei Monate war ich ziemlich krank, ich konnte die ersten 3-4 Wochen kaum aufstehen, war im Krankenhaus usw. Ich war nahe dran sie zurück zu geben.... War ich (und vor allem mein Mann) froh, als es mir wieder besser ging.
Ich habe mir große Vorwürfe gemacht, dass nun diese sensible Phase voll an ihr vorüber geht und die elementare Dinge verpasst usw usf. :shock:

Meine 6 Jahre alte Hündin hat aber auch in Erziehungsdingen ganze Arbeit geleistet. Die hat die ersten 2, 3 Monate ordentlich dazu beigetragen, das kleine Welpi mitzuerziehen. Eigentlich tatsächlich so lange, bis ich das Zepter wieder vollkommen in der Hand hatte.

Verhunzt hat uns die verlorene Zeit aber nichts, so rein subjektiv. Die Welpen waren bis zur Abgabe (ich war die 2. Abholerin) in einem tolle Rudel mit entspannter Mama, strengem "Onkel" und lustiger "Tante". Und hier ging es ja weiter mit der Erziehung durch meinen Mann und durch meine Hündin (die beide gar keine Welpenerfahrungen haben und wo ich dich den Hund wollte...).

Der letzte Welpe wurde erst über 2 Monate später abgeholt, das war so vereinbart.
Ehrlich gesagt hätte ich da im Nachhinein gar nichts dagegen gehabt, wenn mein Hund länger bei der Züchterin geblieben wäre. Ich stimme mit ihren Haltungsumständen fast vollkommen überein und ich traue ihr zu, dass sie ihren Welpen mit wahrscheinlich viel mehr Sachverstand und Rassekenntnis erzieht als ich es kann.

Ein bisschen war ich sogar neidisch, dass die letzte Abholerin einen Hund bekommt, der schon in der Welpengruppe war, der schon stubenrein war, der schon vieles kannte und bis dahin sein Rudel souveräner Hunde und auch nette Fremdhunde um sich hatte, der nach bester Kenntnis roh gefüttert wurde und der schon Ruhe halten ein bisschen verinnerlicht hat.
Gibt wohl wirklich schlimmeres, oder?

Mein Mann allerdings hat sich wirklich sehr über "sein Baby" gefreut. Für ihn war das der erste Welpe überhaupt, den er mit erzieht und aufzieht. Ihm hat das eine ganz besondere Bindung zu unserem Hund gegeben.

Letztendlich macht ja nicht nuuuur die Aufzucht etwas aus, sondern man holt sich den Hund vom lang gesuchten Züchter ja wegen des "genetischen Materials". Und das kann ebenso wie der Züchter selbst ja wirklich echt nicht so super sein, wenn wenige Tage oder Wochen lebensbeeinflussend sein sollen, nur weil der Hund noch nicht in seinem endgültigen Zuhause ist.
Bindung braucht immer Zeit. Die wird nicht enger, nur weil der Hund mit 8 statt mit 10 oder 14 Wochen abgeholt wird... Zumindest von Hundeseite aus :wink:

Einen Hund wirklich ganz früh holen würde ich nur, wenn er "da raus muss".
Und um jetzt ganz böse zu sein: Meinen ersten Hund habe ich aus einer Annonce gefunden, bin hin, hab ihn eingepackt. Ich hatte keine Ahnung und immerhin war sie doch schon fast 7 Wochen alt und geimpft und gechipt war sie eh nicht :oops: Auch sie ist heute ein echt toller umweltsicherer Hund, der keinen Schaden davon getragen hat.
Da habe ich wirklich Glück gehabt und auch viel für getan. Ob mein Welpe dort besseres Futter bekommen hat und es ihm da noch vier lange Wochen besser gegangen wäre? Wohl eher kaum...

Dementsprechend weiß ich nicht, was jetzt die richtige Zeit ist. Das hängt von den Umständen ab. Wenn man mit der Einstellung des Züchters übereinstimmt, dann machen ein paar Wochen mehr den Kohl nicht fett und sind dem Welpen wahrscheinlich eher zuträglich.
Wenn der Welpe in eine neue Familie mit Artgenossen kommt, ist es wieder eine andere Situation, als wenn es der einzige Hund ist, der evtl nach 2 Wochen schon 8Std völlig alleine bleiben soll. Wenn der Welpe gar nicht vom ordentlichen Züchter kommt, muss man noch einmal ganz genau drauf schauen. Es ist eine individuelle Entscheidung.

Ich kann nur empfehlen, dass man nicht krank und bettlägerig bzw krankenhausreif ist, wenn der Welpe da ist :frech:
Das hat mir die Zeit ein bisschen vermiest... Wobei Ruhe lernen dann ja auch sehr gut geübt werden kann :roll:
Liebe Grüße
Von Marina mit Terriermix Fussel (30.05.2010) und Kleinpudel Holly (28.02.2016)

Rohana
Supernase
Beiträge: 7007
Registriert: So Jul 25, 2010 11:08 pm
Wohnort: Pfalz - GP Kaba + English Setter-Mix Mika

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Rohana » Do Sep 15, 2016 9:30 pm

Ach ja, daran hab ich vorhin garnicht gedacht: ich kann ja auch vom anderen Extrem berichten. Nach allem was die Tierschutzorga so recherchieren konnte ist mein Padge so um die 7. Woche auf die Straße gesetzt worden (im wörtlichen Sinn) und musste sich allein durchschlagen. Die Folgen davon - Unsicherheiten im Sozialverhalten als größte Schwierigkeit, Angst vor allen möglichen Dingen und Situationen, Schreckhaftigkeit,... - verfolgen ihn heute immer noch! Was in dieser Welpenzeit fehlt kann ein Hund nie wieder wirklich aufholen.
Liebe Grüße von
Christiane, Kaba und Mika

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bild~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Rumo
Mini-Nase
Beiträge: 331
Registriert: Mi Aug 26, 2015 7:03 am

Re: Zeitpunkt der Welpenabgabe

Beitrag von Rumo » Fr Sep 16, 2016 8:21 am

Ich wollte mit meinem Beitrag keinesfalls sagen, dass eine möglichst frühe Abgabe ausnahmslos sinnvoll ist. Nur, dass man die Situation und den Zeitpunkt nicht pauschalisieren oder verteufeln. sollte.

Und dass in meinen Augen eine oder zwei Wochen mehr nicht schlimm sind.
Das befreit einen auch einfach von diesem Druck, der Welpe müsse nun unbedingt ab dem Tag der 8. Woche alles lernen und können, sonst würde er sich gestört entwickeln oder sonst was.

Das mit Padge ist ja schlimm. Gut, dass er letztendlich bei euch gelandet ist. Seine frühe Fehlentwicklung gründet aber sicherlich nicht nur darauf, dass er mit 7 Wochen vor die Tür gesetzt wurde. Da ist ja schon vorher und auf jeden Fall hinterher wahrscheinlich sehr viel passiert, oder?
Liebe Grüße
Von Marina mit Terriermix Fussel (30.05.2010) und Kleinpudel Holly (28.02.2016)

Antworten

Zurück zu „Allgemeines zur Pudelzucht“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast